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Ukraine 2010
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... die Stadt, von der ich am Ende unseres Urlaubs sagen werde: das war - für mich! - die Schönste von allen. 

Es ist gar weit in die alte Tartaren-Hauptstadt Bachtschissarai / Бахчисарай, nur 35 Kilometer durch eine grandiose Landschaft.



Aus einem unserer Reiseführer weiß ich, dass man direkt in Bachtschissarai einen Campingplatz findet. Am Khanspalast vorbei, den wir uns morgen anschauen wollen, durch enge Gassen geht es den Berg hinauf.

Doch der Touristische Gesundheits-Komplex  "Prival", Turistitschesko-osdorobitelnui kompleks Prival / Туристическо-оздоровительный комплекс "Привал"

 

hat nach dem Erscheinen des Buches seine Funktion als Zeltplatz bzw. Standplatz für Wohnmobile eingebüßt, sagt mir die Frau an der Rezeption und bietet uns einen Nobel-Bungalow, (Kategorie Ljuks / Люкс) für 350 Griwna an. Wir sind jedoch heute aufs rustikale Schlafen im Bernd eingerichtet, wollen ein bisschen weniger Geld ausgeben und außerdem ist das Motel an der Krim-Südküste von gestern eh nicht mehr zu toppen...

Weil wir hier aber nicht im Auto schlafen können, entscheiden wir uns für die "Touristenklasse", ein Zimmer im Hauptgebäude mit einem Doppelstock- und einem Einzelbett sowie einem Waschbecken für 180 Griwna mit Frühstück. Duschen und Toiletten sind auf dem Flur.          

Dann stiefeln wir einen Hang hinauf und bestaunen die Felsen gegenüber.


Hier oben gibt es einen Swimming-Pool, haben wir erfahren.

Der ist allerdings winzig klein - und von badenden Leuten und schwim-menden Hunden belegt.


So überlegen wir "um" und beschließen, 


am Pool nur ein Bier zu trinken. In den kleinen Pavillons sind mehrere Partys im Gange,


es gibt viel Fleisch, das die Leute gleich um die Ecke selbst grillen. Es ist ein warmer Samstag Abend, viel Bier und Cognac fließen, und die mitgereisten Kinder langweilen sich und bespritzen sich gegenseitig heftig mit Pool-Wasser, bis Tränen fließen. Auch die Hunde bekommen etwas ab. Mehrere sehr schöne, langbeinige, dezent sexy gekleidete Mädchen sind da, die sich - Standbein, Spielbein - vor der Felskulisse gegenüber in Pose werfen und gegenseitig fotografieren. 

Indessen beschäftigen wir uns mit dem Schicksal der Krimtartaren. 

Hier ist ihre alte Heimat, seit Jahrhunderten. In den ersten Jahren der Sowjetunion gab es eine Autonome Republik Krim, in der Krimtartarisch gleichberechtigt neben dem Russischen gesprochen wurde. Damals waren die Tartaren ein Viertel der Bevölkerung der Krim. Doch als der Stalinsche Terror begann, wurden sie unterdrückt, ihrer Identität (Sprache, Schrift) beraubt oder zu Zehntausenden brutal getötet.

So begrüßte eine große Zahl von Krimtartaren zunächst die deutschen Truppen als Befreier. Es kam zu Kollaboration im Zweiten Weltkrieg - viele Tartaren traten in den Dienst der Deutschen. Ebenfalls sehr viele von ihnen kämpften jedoch in der Roten Armee oder als Partisanen. Dennoch beschloss Stalin 1944, nach der Befreiung der Krim von den Deutschen, ALLE Tartaren unter unmenschlichen Bedingungen nach Zentralasien zu deportieren. Seit einigen Jahren kehren sie nun in ihre Heimat zurück.      

Deshalb sehen wir hier viele relativ neue Einfamilien-häuser. 


Nicht immer zur Freude der Russen, die hier leben, wie wir gehört haben...


Wir bleiben heute auf "Sparkurs" - vor allem, weil im Bernd jede Menge Lebensmittel sind, die wir gekauft haben, um immer für den Hunger zwischendurch etwas dabei zu haben. Aber so richtig kühlt die Kühlbox nun auch nicht bei diesem Wetter - es wäre schade um die Sachen. So schlemmen wir mit frischem Brot, Salami, Käse und Tomaten.


Rauchen macht einsam!


Wir haben in unserm Zimmer das reinste Jugendherbergs-Feeling und kramen alte Erinnerungen an Klassenfahrten hervor, bevor wir einschlafen.

km-Stand: 14.392 - 114 gefahrene Kilometer


Am Morgen begeht Thomas noch eine Großtat, ehe wir abreisen: In der Dusche sitzt ein Spatz am Fenster und findet das offene Oberlicht nicht. Mit einem Handtuch fängt er ihn vorsichtig ein und lässt ihn draußen davonflattern. Zum Frühstück gibt es Kaffee, Brot, Butter, Marmelade und sehr gut schmeckende Blinitschki / блинички, das ist sozusagen die "Zwergenvariante" der schon oft gegessenen Blini.  



Wir verlassen den Komplex "Prival", den wir sehr gern weiterempfehlen, deshalb hier ein link (auch englisch-sprachig):   

http://www.prival.crimea.com/

(Und nicht vergessen: Wie bei all unseren Links am besten kopieren in den noch einmal geöffneten I-Browser, damit es klappt mit der Rückkehr zu uns!)  


In Bachtschissarai finden wir einen bewachten Parkplatz.

Und dann wartet der Palast der Krim-Khane auf uns.  



Ganz kurz zur Geschichte: Dieser Khans-Palast ist nicht der erste an diesem Platz. Beherrscht wurde die Region über Jahrhunderte von der "Goldenen Horde", den Nachfahren Dschingis Khans. Als deren Macht zerfiel, wurde im 15. Jahrhundert ein erstes "Krim-Khanat" gegründet, das riesig groß war: Es reichte zeitweise bis zum Don und bis weit nördlich der Krim in die Steppe. Bachtschissarai war die Hauptstadt des großen Reiches. Ein älterer Palast an gleicher Stelle brannte im 1736 vollständig ab - danach erst wurde dieser gebaut. Doch lange konnten die Khane dieses prächtige Architektur-Ensemble nicht mehr genießen: Unter Katharina der Großen wurde die Krim erobert und unter russische Verwaltung gestellt, sie selbst hielt hier 1787 im Palast von Bachtschissarai Hof.

Große Gefahr drohte dem Palast nach dem 2. Weltkrieg durch Stalin. Wie ich schon schrieb, hatte er die Krimtartaren deportieren oder ermorden, ihre Moscheen und Siedlungen zerstören lassen. Aber da war auch noch dieser Palast - Stein gewordene Erinnerung an ein von ihm zum Tode verurteiltes Volk und seine Kultur. 

Sentimentale Gefühle waren es, die Stalin hinderten, den Palast niederreißen zu lassen. Er liebte das Gedicht „Die Tränen von Bachtschissarai“ von Puschkin, das eine tragische Liebesgeschichte erzählt: Einer der Krim-Khane, Qirim Garay, war untröstlich, als seine geliebte Gattin Diliara starb. Deshalb ließ er ihr in Bachtschissarai ein Mausoleum und einen Brunnen bauen, der weinen kann... 

Am Tränen-brunnen eine Puschkin-Büste

Wir wissen nicht, ob die vielen Menschen, die sich hier auf Fotos verewigen lassen, es wegen Qirim Garays großer Liebe oder wegen Puschkin tun...  

Wir haben 60 Griwna Eintritt bezahlt und schließen uns einer russischen Gruppenführung an. Die Palast-Erklärerin ist selbst Tartarin, erzählt sie. Ergänzend zu dem, was sie sagt, lesen wir in unserem  deutschen Reiseführer mit.


Der Palast beeindruckt uns nicht nur wegen der Minarette und der für uns ungewohnten Architektur,  sondern auch wegen des vielen Grüns. 


Die Sommer-laube der Khane.


Geschäfts-tüchtige Kostüm-verleiher machen sich die Fotografier-wut der Besucher zu Nutze. 


Wenn man will, kann man in sich eine Haube mit Schleier leihen und in solch ein tartarisches Kleid schlüpfen - hinten offen wie ein OP-Hemd, dadurch passt es auf jede Figur... Das ist uns dann doch zu doof...

So ist uns ein wenig zwiespältig zu Mute, denn diese Kapriolen für Touristen finden wir ein wenig bizarr, zumal an solch einem Ort voller Geschichte...

In der Ausstellung im Palast erfahren wir viel über das Leben der Krim-tartaren in vergan-genen Zeiten.






Besinnlichkeit überkommt uns jedoch erst auf dem Friedhof der Khane. Ihn zu besuchen kostet noch einmal 30 Griwna für uns beide. Und dort sind wir dann ganz allein.







Die steinernen Stelen auf den Gräbern werden von Turbanen gekrönt. Wir haben gelesen, dass die Turbane der weiblichen Toten eine Kerbe haben: Dort soll sich Regenwasser sammeln, damit trinkende Vögel für die Erlösung der Seelen der verstorbenen Frauen beten – dies selbst zu tun, verbietet den Frauen der Islam…   



Auf eine Zigarette gehe ich vor den Eingang des Palastes. Ich könnte auch drinnen, im Hof rauchen, will aber nicht. Eine junger Mann, der sich über meine französischen Zigaretten wundert, spricht mich an. (Rauchen macht doch nicht einsam!) Ich erzähle, dass wir deutsche Touristen sind - und er lädt uns ein, in einem Restaurant gegenüber mit Blick auf den Palast zu essen. Sein Job ist es, hier nach Gästen Ausschau zu halten.

Wir folgen der freundlichen Einladung. Es ist ein tartarisches Restaurant, drei junge Männer kochen und bedienen, eine ältere Frau ist offenbar die Chefin. Hier werden die Regeln des Korans sehr ernst genommen: Mehrere junge Männer ziehen enttäuscht wieder ab, als sie erfahren, dass es hier weder Bier noch anderen Alkohol gibt.   



Aber wir wollen keinen Alkohol, sondern essen. Salat und Schaschlik sind sehr lecker, aber eine wirkliche kulinarische Offenbarung ist

Okroschka / окрошка,

eine kalte Gurkensuppe.

Weil wir so begeistert sind, bekommen wir vom freundlichen jungen Koch das Rezept:

80 Prozent Kefir, 20 Prozent Mineralwasser mit Kohlensäure                        (für die "Fluffigkeit"), dazu sehr klein geschnittene gekochte Kartoffeln, ebenfalls klein geschnittene gekochte Eier, etwas Kochwurst in winzigsten Teilen (zu Hause haben wir das inzwischen mit Roastbeef probiert – perfekt!), klein geschnittene Gurke, Dill, Petersilie, Salz und Pfeffer.

Wir werden noch mehrmals in der Ukraine Okroschka essen, jedes mal ist sie etwas anders in Geschmack und Konsistenz  - aber immer gut!

Für das Vier-Gänge-Essen (als Dessert gibt es noch Baklawa, sehr süßes, schweres Blätterteiggebäck) plus viel Orangensaft und einen Mokka zum Abschluss bezahlen wir wieder einmal nur 220 Griwna inclusive Trinkgeld. 

Aber nun sind wir fast pleite. In der Innenstadt von Bachtschissarai probieren wir mehrere Geldautomaten. Nix! Auch andre Leute bekommen, wie wir beobachten, kein Geld. Also liegt es zumindest nicht an unseren Karten!

Wir beschließen, nach Simferopol / Симферополь zu fahren, wo wir eigentlich gar nicht hin wollten. Auch dort gibt uns kein Bankomat / банкомат auch nur eine Griwna. Ich bekomme Angst, dass nach mehr als drei Versuchen der Automat die Karten nicht mehr ausspuckt... 

Zum Glück haben wir noch eine eiserne Reserve: Vor dem Urlaub hatten wir – schon eine ganze Weile lachen wir unterwegs darüber! – Euro in „Dollari“ / доллари getauscht, für den Fall, dass wir gleich hinter der Grenze oder sonst irgendwo Bestechungsgeld für Polizei & Co. in „harter Währung“ brauchen… Denn ein Fünf-Euro-Schein ist nun mal ein Fünf-Euro-Schein, ein Ein-Dollar-Schein ist jedoch nur ein Achtzig-Eurocent-Schein. (Ja, beim Bestechungsgeld sind wir geizig...)

Nach langem Suchen - es ist Sonntag Abend - finden wir endlich eine geöffnete Wechselstube. Seufzend zählt die junge Frau hinterm Guckloch mehrmals das dicke Scheine-Bünde, das ich ihr hingelegt habe und das viel weniger wert ist, als es auf den ersten Blick scheint...  Nun haben wir wieder Griwna. Aber ich mache mir trotzdem Sorgen: Sind die ukrainischen Banken vielleicht pleite? Oder ist der Euro durch die griechischen Milliarden-Hilfen etwa abgestürzt?  Was, wenn in den nächsten Tagen die Automaten immer noch nicht arbeiten? Wir haben noch 90 Euro für einen Notumtausch - das wäre dann das Spritgeld bis zur polnischen Grenze. Kein funktionierender Bankomat würde so oder so Urlaubsabbruch in sehr wenigen Tagen bedeuten.

Wir sind so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir die Stadt kaum eines Blickes würdigen, obwohl ein Volksfest stattfindet und Walzermusik über einen großen Platz schallt - Simferopol, entschuldige bitte / извини пожалуйста, beim nächsten Mal wird alles anders!  

Wir fahren Richtung Westen, ans Meer.

Einen Pflicht-Stopp  machen wir in Saki / Саки.


Hintergrund: Unser lieber Kollege Sergej hatte uns vor dem Urlaub "Zur Abschreckung" (Ironie!) ein Hörbuch von Wladimir Kaminer geliehen, dem Moskauer, der schon seit Jahrzehnten in Berlin lebt und durch die "Russendisco" bekannt wurde. In einer seiner Erzählungen geht es um Saki.

"Die Reise nach Trulala" - Lesen!!!! Zum Schreien komisch!!! Oder noch besser: Hören!!! Denn Kaminer hat einen unnachahmlichen russischen Akzent.

Weiter geht es, nach Jewpatorija / Евпатория, wo wir auf deutsch begrüßt werden. Ja, wir sind keine Ludwigsburger, finden das aber trotzdem sehr nett!  


Wir suchen einen Campingplatz, den es laut Internet hier geben soll, finden ihn aber nicht. Duschen wäre schon schön, nach diesem heißen Tag! Aber irgendwie sind wir zu blöd bei unserer Suche - oder auch zu faul, weil wir immer im Hinterkopf haben, dass ja ein Hotel hier meist weniger kostet, als ein Campingplatz für uns zwei und den Bernd in Italien oder Frankreich am Meer... 

Der Strand hier ist sehr schön, aber es ist halt "nur" Strand -

kein Schatten, kein Wasserhahn, kein Klo. Also weiter.


Wir überqueren eine Art "Flachland-Fjord" ...


... von dem der Reiseführer erzählt, dass in dessen Tiefen früher, zu sowjetischer Zeit, U-Boote ihr Versteck hatten...

... und sehen die erste alternative Energiege-winnung auf unserer ganzen Reise.

 

Schließlich stranden wir am Strand von Tschernomorskoje / Черноморское.

Hier gefällt es uns!


Wir fahren herum, da ist auch ein Gelände, das aussieht wie ein Campingplatz, aber viel, viel zu weit weg vom Wasser!

Beim Suchen fällt uns dieses große Haus aus Holz, direkt am Strand, ins Auge. Da oben schlafen, das wärs doch!


(Und schon sind unsere Geldsparpläne wieder dahin, nach dem Motto: Das wird schon wieder klappen mit einem Bankomaten... )

An der Hintertür steht: "прокат номеров" / Prokat nomerow - Zimmer zu vermieten. Wir klingeln, die Klingel schrillt laut durch den halben Ort - und bald kommen zwei Männer mit Hund vom Strand herbeigeschlendert. Ja, es ist etwas frei für 16 Dollar (die haben wir ja nun nicht mehr...) oder 200 Griwna mit Frühstück.    

Das Zimmer (eins hinter den Fenstern links unten) blickt leider nicht nach vorn, zum Strand, hinaus - das Haupthaus ist noch gar nicht fertig, wie wir erfahren. Doch Dank dieser verwinkelten Architektur ist es kühl, es hat ein Bad und alles ist - wieder einmal - ganz neu. 


Dann heißt es: Flinke Füße machen! Heute und nur heute ist die Chance auf einen Sonnenuntergang am Meer, denn wir sind exakt im Westen der Krim. Wir rennen fast durch den Sand, denn die Sonne rennt nun auch nach unten, und wir müssen noch am Ende der Mole vorbei, die uns den Blick auf den Horizont versperrt. Geschafft!

Warten mit Wein und Käse im Großmutter-Körbchen...

Und dann: Schauen und staunen.



km-Stand: 14.602 - 210 gefahrene Kilometer 



Am nächsten Morgen frühstücken wir im Hotel, gemeinsam mit einer Kindergruppe. Dann ist Badezeit. 



Von allen Stränden, an denen wir bisher waren, bekommt dieser die Bestnote: sehr sauberes warmes Wasser, feiner Sand und überdies nicht eine einzige Qualle (was Thomas besonders freut).

Beim Zusammenpacken kommen wir mit dem Besitzer des Hotels ins Gespräch. Das hölzerne Haupthaus soll bald fertig werden - er lässt immer dann weiterbauen, wenn er das Geld dazu hat. Im Moment ist das schwierig, sagt er, wegen der Wirtschaftskrise. Das Holz kommt aus seiner Heimat, den Karpaten, wo er mit seiner Frau den Winter verbringt. Im Sommer sind sie hier - das bedeutet vor allem: Viel Arbeit.

Wir verabschieden uns und fahren weiter, halten noch einmal am Strand in der Nähe von  Mishwodnoje / Мижводнoе   

Auch hier: Viel Sand und sauberes Wasser  


Wir sind von der Westküste der Krim begeistert... 

 


... und empfehlen sie gern weiter! 

Danach halten wir nur noch selten an, denn wir wollen heute weit kommen, bis Odessa! Abgesehen vom Baden am Morgen ist das ein reiner "Fahr-Tag". 


Aber dieses Blumenfeld musste dennoch auf die Foto-Karte.


Auf der Landkarte haben wir ein riesiges Kanal-system entdeckt, das den gesamten Norden der Krim durchzieht. 


Deshalb ist es hier so fruchtbar und grün! Wir finden allerdings nicht heraus, woher das Wasser für die vielen Kanäle, von denen wir einige überqueren, kommt.


Abschied von der Krim






Kurz vor Krasnoperekopsk  / Красноперекопськ beißt ein ätzender Gestank unsere Nasen und Kehlen.

Kurz darauf fahren wir an diesem  giftig schäumen-den   "Stinke-See" mit einem Werk daneben vorbei.


Kaum zu glauben, dass nur wenige Kilometer weiter östlich die große Wasserfläche des Asow-Nationalparks beginnt (Asowo-Siwaski nazionalnui park / Азово-Сиваський национальный парк), an der wir auf der "Kosa Arabatskaja" an der Ostseite der Krim entlanggefahren sind und von der wir ob ihrer Unberührtheit so begeistert waren.

Wieder zu Hause lese ich, dass Krasnoperekopsk schon seit den 30er Jahren einer der wichtigsten Standorte der chemischen Industrie in der Ukraine ist. Am See, das muss das Werk sein, in dem Brom hergestellt wird, das man zum Beispiel für die Herstellung von Flammschutzmitteln,  Schädlingsbekämpfungs-mitteln oder für die Medizin braucht.       

Hier gibt es in den nächsten Jahren in Sachen Umweltschutz viel tun! 


Später verabschieden wir uns mit einem Münzwurf von der Brücke vom

Dnjepr / Днепр,


über den wir bei Сherson / Херсон ein letztes Mal in diesem Urlaub fahren.  


Dann geht es über den roman-tischen Ingul / Ингул,


der bei Mikolajew / Миколаев in den  Bug / Буг fließt, weiter.

Wir hatten keine Ahnung, dass auch der Bug so ein mächtiger Strom ist!


Die Flüsse bedeuten einen großen Umweg, wenn man von der Krim nach Odessa will - doch es gibt näher am Meer keine Brücken.

Als wir sämtliche Flüsse überquert haben, wollen wir zum Wasser zurück. Wir fahren nach Jushne / Южне. Doch hier geht es auch nicht weiter: Wir müssen ums Hafenbecken herumfahren.

Neuer Hafen in bei Odessa




Hinter Jushne wollen wir wieder ans Meer. Das ist nicht einfach, denn lange Mauern - zum Beispiel von Armeeobjekten - verhindern das.

Dann ist es doch möglich: Durch einen Vorort von Odessa geht es steil ans Meer hinunter. Dort finden wir ein Ferienobjekt direkt am Strand. Wieder einmal dürfen wir auf dem Gelände nicht im Auto schlafen, aber ein Appartement mit Meerblick ist frei: Ein großer Raum mit Tisch und Stühlen, von dem drei Türen abgehen: WC, Dusche und Schlafzimmer. Wir wollen noch etwas essen, hatten eine unterwegs eine "Dorfkneipe" gesehen. Da sollten wir lieber nicht hingehen, sagt uns das Mädchen von der Rezeption und auch ein Mann im Dorf, den wir noch einmal fragen. Wir machen es aber trotzdem, weil uns das empfohlene Hotel-Restaurant an der Hauptstraße viel zu weit ist.

In der Kneipe bekommen wir sehr preiswerte hausgemachte, "domaschnaja" / домашная  Pizza, die gut schmeckt, um uns herum sind Betrunkene und auf der Straße tummelt sich die Dorfjugend mit getunten Mopeds und einem alten, hochgezüchteten Lada, der immer wieder vorbeirast und dabei entsetzlich lärmt. 

Später sitzen wir noch in der Strandbar, schauen auf die nun nahen Lichter von Odessa hinüber und freuen uns auf die Stadt.               

km-Stand: 15.100 - 498 gefahrene Kilometer



Wieder einmal ist Geburtstag, heute meiner, Thomas hat ein schönes Frühstück gemacht,

das wir, mit Blick auf den Strand, genießen.


In unserem Appartement haben wir mit Marilyn überm Bett gut geschlafen.


Dann gehen wir erst noch einmal baden. Hier, in der Bucht von Odessa, ist das Wasser nicht so schön wie an der Ostküste der Krim...  


trotzdem gefällt es uns im Meer, denn es ist wieder sehr heiß. Da drüben ist Odessa, da wollen wir heute hin. 


Vorher müssen wir noch ein Problem lösen: Kamm und Haarbürste sind spurlos verschwunden. Aber notfalls tut`s auch eine Gabel, die wir extra dafür abstellen... 


In Odessa / Одесса finden wir einen bewachten Parkplatz direkt am Bahnhof. der drahtige Parkwächter ist Rentner, er erzählt, er hat als Offizier in Magdeburg gedient, kennt auch die Messe in Leipzig. Die Pension reicht nicht vorn und nicht hinten, deshalb verdient er sich hier etwas dazu. 

Unser erster Weg führt uns zum Hafen, ein kühler Wind weht, der uns gut tut, aber die Gabelkunst auf meinem Kopf wieder zu nichte macht...  




Der Vorplatz des "Meeres-Bahnhofs", Morskoi Woksal / Морской вокзал


wird  dominiert von der Skulptur "Das goldene Kind".  




Suchbild: Wo sind wir?


Dass wir unseren Stadtrundgang hier beginnen, hat einen guten Grund: Unbedingt wollen wir die Potjomkin-Treppe, Potjomkinskaja Lesniza /Потемкинская лестница sehen, und zwar zuerst von unten, wie uns unsere Reiseführer raten. Denn nur von hier aus erschließt sich wirklich ihre architektonische Raffinesse: Sie ist unten 21 Meter breit, oben nur 13. Durch diesen optischen Trick wirkt sie viel mächtiger und größer, als sie eigentlich ist.  



So begrüßt sie seit 1841 die Seereisenden, die am Hafen ankommen und lädt ein zum Gang nach oben, in die Stadt.

Bekannt ist uns die Treppe schon lange -Dank Eisensteins Film "Panzer-kreuzer Potjomkin".  


Hier ein Ausschnitt aus der zehn-Minuten-Sequenz aus dem Film, auf dem Treppe endlos lang wirkt, weil Eisenstein verschiedene Vorgänge auf der Treppe immer wieder parallel montiert hat: 

http://www.youtube.com/watch?v=euG1y0KtP_Q

(Am besten in einem separaten internet-Fenster öffnen!)  

Wir sind regelrecht überrascht, wie klein die Treppe in Wirklichkeit ist... Und gehen natürlich (obwohl wir kurz in Versuchung waren, mit der kleinen Bahn unmittelbar daneben zu fahren) zu Fuß hinauf...   

Oben noch ein raffinierter Effekt: Von hier sieht man nur die Treppen-Absätze, während man von unten nur die Stufen sieht.


Oben in der Stadt thront Katharina die Große, die einmal eine kleine Prinzessin aus Zerbst/Anhalt war, sozusagen von gleich um die Ecke bei uns zu Hause. 



Die nicht unumstrittene Herrscherin hatte hier bei ihrer massiven Expansion des russischen Reiches in die Gebiete am Schwarzen Meer die Stadt gründen lassen.    


Von hier aus starten wir unseren Stadtrundgang - unsystematisch, aber sehr neugierig auf alles, was uns begegnen wird.


Wir finden eine beein-druckende Architektur in überwiegend hervor-ragendem Zustand.  


Was noch nicht fertig ist, wird saniert. Auf dem Plakat, das einen entkernten Altbau verhüllt, steht: "Wir lieben unsere Stadt, wir leben hier!" (Mui ljubim nasch grorod, nam sdjes shitch) 


Diese Liebe zeigt sich in vielen Details


Sehenswert die vielen schattigen Hinterhöfe, die, so unser Gefühl, die erweiterten Wohnzimmer der Odessiten sind.


Die vielen kleinen weißen Krümel sind kein Müll, sondern Samen. 


Hinter der Oper


Der grüne Meeres-Boulevard oberhalb der Küstenlinie


An dessen Nordende eine mit Säulen bestandene Rotunde, von der aus man - auch beim Küssen! - sehr gut...


den Hafen sehen kann.


Und fotografieren kann man ihn von dort natürlich auch!


viele Straßen-Cafés laden ein,


aber auch ein Biergarten, der auch auf russisch genau so heißt: "piwnoi sad". 


Besonders originell finden wir die "Komfort-Bank PUMB" - Komfortni Bank pumb,


auch wenn wir nicht wissen, wie komfortabel man sich hier etwas pumpen kann....

Wir gehen nicht in eines der vielen Museen, sondern laufen, laufen, laufen oder setzen und einfach auf eine der Parkbänke, um  (wie auch schon in Kiew, Charkow, Donjezk oder Sewastopol) etwas vom "Spirit" der Stadt und ihrer Bewohner zu erfühlen.   

Als wir zum "Geburtstagsessen" in einem Restaurant einkehren, treffen wir auf den ersten - einzigen und letzten! - Menschen in der Ukraine, der recht gut deutsch kann. Es ist die Kellnerin, die selten deutsche Gäste hat und sich freut, dass ihre Kenntnisse zum Einsatz kommen können. Eine junge, schöne, stolze "Odessitin", die übrigens im Gegensatz zu vielen anderen im Land, die wir getroffen haben, sehr optimistisch in die ukrainische Zukunft schaut.      

Zu Hause werden wir unseren Freunden empfehlen, einen Ukraine-Schnupperkurs in Odessa zu machen, weil die Stadt mit dem Flieger gut zu erreichen ist. Dass sich das unbedingt lohnt, ist unser Fazit dieses Tages.


Vom vielen Laufen sind wir ziemlich geschafft - aber es reicht noch für einen Becher Wein auf der Terrasse vor unserem Appartement.  


km-Stand: 15.132 - 32 gefahrene Kilometer



Während Thomas schon packt, gehe ich noch einmal baden - ein wenig traurig, dass es für dieses Mal das letzte Mal ist, dass ich im Schwarzen Meer herumplätschere...



Dann mache ich noch eine Runde mit dem Fotoapparat, denn wir wollen für uns dokumentieren, was und wie hier direkt am Meer gebaut wird. 

Was uns schon die ganze Zeit auffiel: Es gibt an der ukrainischen Küste (zumindest dort, wo wir waren) keine Betonburgen wie in Spanien oder Bulgarien - das ist ein großer dicker Pluspunkt.  

Dafür - auch hier bei Odessa - kleinere Neubauten, von denen uns viele ganz gut gefallen.   


Aber offenbar baut hier jeder wie er will...

... was würde wohl die deutsche Bauaufsicht dazu sagen?


Unmittelbar nebenan ist das größte Ferienobjekt, das hier steht. Es ist nicht nur nicht besonders schön...  


... sondern auch etwas demoliert: Der Anbau ist abgebrochen und neigt sich nun bedenklich Richtung Wasser. 


Da gefällt uns das viel besser - hier war ein Architekt mit ausgesprochen schrägem Sinn fürs Schräge am Werk.


Mit der Fotografiererei ziehe ich die Zeit in die Länge. Wasser, Wind und Wellen werden mir fehlen. Aber so ein Urlaub ist leider immer zu kurz...

Und so heißt es nun endgültig: Tschüss, Meer!  



Wir fahren weiter. Nachzulesen unter "Unterwegs - Teil 4" oben links in der Navigationsleiste - oder direkt hier:

 http://www.jo-und-pi-im-urlaub.de/43998/66701.html